Was das Modell sagt
Wer bin ich? Auf diese Frage antworten Menschen selten mit einem einzigen Satz. Sie nennen ihre Familie, ihren Beruf, was sie gut können, woran sie glauben und wie es ihnen gesundheitlich geht. Petzold hat diese Antworten in fünf Bereiche geordnet und jeden Bereich als Säule gezeichnet. Zusammen tragen sie das Gefühl, ein eigener und stabiler Mensch zu sein.
Das Bild der Säulen zeigt, was in Krisen passiert. Verliert jemand seine Arbeit, wankt die dritte Säule. Hat er Freunde, die zu ihm halten, und weiß er, wofür er lebt, bleibt er trotzdem stehen. Ruht fast alles auf einer einzigen Säule, bringt ihr Verlust das ganze Dach ins Rutschen.
Die fünf Säulen mit Beispielen
Petzold hat die Säulen für Erwachsene beschrieben. Für Jugendliche lassen sie sich mit Beispielen aus Schule und Freizeit füllen.
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Leiblichkeit
Der eigene Körper und wie man sich in ihm fühlt: Gesundheit, Schlaf, Sport, Aussehen, auch Krankheit oder eine Verletzung, die einen ausbremst.
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Soziales Netz
Die Menschen, zu denen man gehört: Familie, Freunde, die Klasse, der Verein, die Leute aus dem Chat. Hierhin gehört auch die Frage, wer zu einem hält, wenn es schwierig wird.
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Arbeit, Leistung und Freizeit
Was man tut und kann. Bei Erwachsenen ist das vor allem der Beruf, bei Jugendlichen die Schule, ein Instrument, ein Sport, ein Nebenjob oder ein Hobby, in dem sie gut sind.
- 4
Materielle Sicherheit
Geld, Wohnung und Besitz. Für Jugendliche heißt das zum Beispiel: ein eigenes Zimmer, Taschengeld, das Handy, die Sicherheit, dass zu Hause genug da ist.
- 5
Werte und Normen
Woran man glaubt und was einem wichtig ist: Religion, Überzeugungen, Ziele, die Frage nach dem Sinn. Diese Säule zeigt sich oft erst, wenn man sich für etwas entscheiden muss.
Die eigenen Säulen ausprobieren
Wie stabil ist jede deiner Säulen gerade? Stell die Regler ein. Die Säulen wachsen oder schrumpfen. Das Dach liegt auf der stärksten Säule, und unter den schwächeren siehst du, wo ihm der Halt fehlt.
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Im Unterricht zeichnen die Schüler ihre Säulen auf Papier und schreiben hinein, was sie trägt. Das Blatt bleibt bei ihnen. Ins Gespräch kommt nur, was jemand selbst erzählen will, etwa welche Säule er stärken möchte.
Präsentation dazu Fülle deine 5 Säulen der Identität (PPT Präsentation)Woher das Modell kommt
Hilarion G. Petzold, geboren 1944, ist Psychologe und Psychotherapeut. Er hat die Integrative Therapie begründet, und aus ihr stammt das Modell der fünf Säulen. Therapeuten und Berater nutzen es, um mit Menschen in Krisen herauszufinden, was noch trägt und wo sie ansetzen können. Inzwischen arbeiten auch Suchtberatung, Schulsozialarbeit und Coaching damit.
In der Schule passt das Modell überall dort, wo es um Selbstbild und Persönlichkeit geht: im sozialen Lernen und in der Persönlichkeitsbildung, in der Klassenleitungsstunde und bei den Fragen nach Identität in Ethik und Religion. Es gibt Schülern Wörter für etwas, das sie spüren: dass es ihnen schlecht geht, wenn der Streit mit der besten Freundin andauert, obwohl in der Schule alles läuft.
5 Säulen im Unterricht
Das Modell eignet sich ab Klasse 8, in einer einfachen Fassung schon in Klasse 6 und 7. Eine Doppelstunde reicht für vier Schritte:
Zeichnen
Jeder zeichnet fünf Säulen mit Dach und beschriftet sie.
Füllen
In jede Säule kommen Menschen, Dinge und Tätigkeiten, die dazugehören.
Bewerten
Ein Plus für das, was stärkt, ein Minus für das, was gerade belastet.
Einschätzen
Welche Säule trägt gerade am meisten, welche wackelt, welche möchte ich stärken und wie?
Worauf du achten solltest
- Belastungen ernst nehmen. Schätzt jemand eine Säule als sehr schwach ein, etwa nach der Trennung der Eltern oder bei Geldsorgen zu Hause, braucht er nach der Stunde ein Gespräch. Vorher klären, wer an der Schule ansprechbar ist, etwa Schulsozialarbeit oder Vertrauenslehrkraft.
- Materielle Sicherheit allgemein halten. Fragen nach Geld und Besitz können beschämen. Es reicht die Frage, was Sicherheit gibt, ohne Beträge oder Marken.
Unterrichtsmaterial zu den 5 Säulen
1 Material für den Unterricht, als PDF bei eduki.
Häufige Fragen
Kurze Antworten zu den 5 Säulen der Identität.
Wer hat die 5 Säulen der Identität entwickelt?
Hilarion G. Petzold, Psychologe und Begründer der Integrativen Therapie.
Wie heißen die fünf Säulen?
Leiblichkeit, soziales Netz, Arbeit und Leistung (mit Freizeit), materielle Sicherheit sowie Werte und Normen.
Welche Säule ist die wichtigste?
Petzold ordnet die Säulen nicht nach Rang. Welche gerade am meisten trägt, ist bei jedem Menschen und in jeder Lebensphase anders. Stabil ist eine Identität, wenn mehrere Säulen tragen.
Ab welcher Klasse passt das Thema?
Ab Klasse 8 können Schüler ihre Säulen selbstständig füllen und bewerten. In Klasse 6 und 7 reicht es, die Säulen mit Beispielen zu füllen und eine zu wählen, die man stärken möchte.
Gibt es eine Vorlage zum Ausdrucken?
Ja, im Material oben steckt eine Vorlage mit fünf leeren Säulen. Die Schüler können die Säulen auch selbst auf ein Blatt zeichnen.