Die fünf Weltreligionen im Unterricht: Vergleich, Zeichen und Feste

Rund drei Viertel aller Menschen gehören dem Judentum, dem Christentum, dem Islam, dem Hinduismus oder dem Buddhismus an. Hier findest du die fünf Religionen im Vergleich und Ideen für Grundschule und Sek I.

  • Religion
  • Ethik
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Aktualisiert am 6. November 2026

Aquarell: Halbmond mit Stern, Kreuz, Davidstern, Rad der Lehre und das Zeichen Om vor einer Weltkarte

Was eine Weltreligion ist

Als Weltreligionen gelten im Unterricht meist fünf Religionen: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus. Eine feste Definition gibt es nicht. Gezählt werden Religionen, die über viele Länder verbreitet sind und die Geschichte großer Teile der Welt geprägt haben.

Nach einer Schätzung des Pew Research Center für 2020 sind 2,3 Milliarden Menschen Christen, 2 Milliarden Muslime, 1,2 Milliarden Hindus und 320 Millionen Buddhisten. Das Judentum hat rund 15 Millionen Angehörige. Es zählt trotzdem dazu, weil Christentum und Islam aus ihm hervorgegangen sind. Der Sikhismus hat mit etwa 25 Millionen Anhängern mehr Mitglieder, steht aber in den meisten Lehrplänen nicht bei den Weltreligionen.

Die Weltreligionen im Vergleich

Die Tabelle zeigt die fünf Religionen nebeneinander. Sie vereinfacht: Innerhalb jeder Religion gibt es Richtungen, die vieles verschieden sehen.

Die fünf Weltreligionen im Überblick
MerkmalJudentumChristentumIslamHinduismusBuddhismus
AnfangAbraham als Stammvater, Mose empfängt die ToraJesus von Nazaret, um 30 n. Chr.Mohammed, ab 610 n. Chr. in Mekkakein Gründer, älteste Texte ab etwa 1500 v. Chr.Siddhartha Gautama, der Buddha, vor rund 2500 Jahren
Gottein Gottein Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geistein Gott, arabisch Allahviele Gottheiten wie Vishnu und Shivakein Schöpfergott
Heilige SchriftTanach mit der Tora, dazu der TalmudBibel aus Altem und Neuem TestamentKoranVeden, Bhagavad GitaTripitaka, die gesammelten Lehrreden
GotteshausSynagogeKircheMoscheeTempel, dazu der HausaltarTempel, Kloster, Stupa
ZeichenDavidstern, MenoraKreuzHalbmond mit SternOmRad der Lehre
Heilige OrteJerusalemJerusalem, Bethlehem, RomMekka, Medina, JerusalemVaranasi am GangesBodh Gaya, Lumbini
FestePessach, Jom Kippur, ChanukkaWeihnachten, Ostern, PfingstenRamadan, Fest des Fastenbrechens, OpferfestDiwali, HoliVesakh
Angehörige15 Millionen2,3 Milliarden2 Milliarden1,2 Milliarden320 Millionen
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Judentum, Christentum und Islam: die abrahamitischen Religionen

Die drei Religionen glauben an einen einzigen Gott und berufen sich auf Abraham. Sie heißen deshalb abrahamitische Religionen. Alle drei kennen Propheten, die Gottes Willen verkünden, ein Gericht am Ende der Zeit und eine heilige Schrift, die als Wort Gottes gilt. Für alle drei ist Jerusalem eine heilige Stadt.

Judentum

Juden halten die Tora, die fünf Bücher Mose, und ruhen jede Woche am Schabbat. Sie erwarten den Messias noch. Mehr dazu steht auf der Seite Das Judentum im Unterricht.

Christentum

Christen glauben, dass Jesus der Messias und Gottes Sohn ist, dass er gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist. Die Bibel übernimmt die jüdischen Schriften als Altes Testament und ergänzt sie um 27 Bücher des Neuen Testaments. Die großen Konfessionen sind die katholische, die orthodoxe und die evangelische Kirche.

Islam

Muslime glauben, dass Gott dem Propheten Mohammed ab 610 den Koran offenbart hat, in 114 Abschnitten, den Suren. Abraham, Mose und Jesus gelten im Islam als Propheten, Mohammed als der letzte. Den Alltag prägen die fünf Säulen: das Glaubensbekenntnis, das Gebet fünfmal am Tag, die Abgabe für Bedürftige, das Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka. Die Zeitrechnung beginnt 622, als Mohammed von Mekka nach Medina auswanderte. Die größten Richtungen sind Sunniten und Schiiten.

Hinduismus und Buddhismus: Religionen aus Indien

Beide Religionen stammen aus Indien und teilen eine Grundannahme: Nach dem Tod wird der Mensch wiedergeboren, als Mensch, als Tier oder in einer anderen Welt. Was er im Leben tut, sein Karma, bestimmt das nächste Leben. Das Ziel ist, aus diesem Kreislauf der Wiedergeburten herauszukommen.

Hinduismus

Der Name kommt von außen: Persische und später europäische Beobachter nannten so die Menschen am Indus und ihre Religion. Hindus verehren viele Gottheiten, besonders Vishnu, Shiva und die Göttin in ihren vielen Gestalten. Viele verstehen sie als Formen einer einzigen göttlichen Wirklichkeit, des Brahman. Gebetet wird im Tempel und zu Hause am Hausaltar. Die Erlösung aus dem Kreislauf heißt Moksha.

Buddhismus

Siddhartha Gautama war ein Fürstensohn aus Lumbini im heutigen Nepal. Nach der Überlieferung verließ er seinen Palast, als er Alter, Krankheit und Tod sah, und fand unter einem Feigenbaum in Bodh Gaya die Erleuchtung. Seitdem heißt er Buddha, der Erwachte. Er lehrte vier Wahrheiten: Das Leben ist Leiden, das Leiden entsteht aus Gier, es kann enden, und der Weg dahin ist der achtfache Pfad aus rechter Einsicht, rechtem Reden, rechtem Handeln und weiteren Schritten. Am Ende dieses Weges steht das Nirwana, das Erlöschen von Gier und Leiden. Einen Schöpfergott kennt der Buddhismus nicht.

Die Goldene Regel in fünf Religionen

Ein Satz kommt in allen fünf Religionen vor: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst. Er heißt Goldene Regel. Die Fassungen klingen verschieden, manche sagen, was man tun soll, andere, was man lassen soll.

Die Goldene Regel, in deutscher Übersetzung
ReligionSatz und Quelle
Judentum„Was dir verhasst ist, das tu deinem Nächsten nicht.“Rabbi Hillel im Talmud, Schabbat 31a
Christentum„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“Matthäus 7,12
Islam„Keiner von euch ist gläubig, solange er nicht für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht.“Ausspruch Mohammeds, gesammelt von an-Nawawi
Hinduismus„Man soll einem anderen nichts antun, was man selbst als schmerzlich empfände.“Mahabharata
Buddhismus„Verletze andere nicht mit dem, was dir selbst Schmerz bereitet.“Udanavarga 5,18

Was nach dem Tod kommt

An der Frage nach dem Tod zeigen sich die zwei Gruppen besonders deutlich. Judentum, Christentum und Islam rechnen mit einem einzigen Leben, auf das Auferstehung und Gericht folgen. Christen hoffen auf ein ewiges Leben bei Gott, Muslime auf das Paradies, das der Koran als Garten beschreibt. Im Judentum steht das Leben vor dem Tod im Vordergrund, die Hoffnung auf eine Auferstehung kam erst in späteren Schriften dazu.

Hindus und Buddhisten rechnen mit vielen Leben. Der Hinduismus lehrt eine unsterbliche Seele, den Atman, die von Körper zu Körper wandert. Der Buddhismus kennt keine solche Seele: Weitergegeben wird nur die Wirkung der Taten. Auch die Bestattung unterscheidet sich. Juden und Muslime begraben ihre Toten möglichst schnell und lehnen die Verbrennung ab. Hindus und Buddhisten verbrennen ihre Toten meist.

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Weltreligionen in Deutschland

Ende 2024 gehörten in Deutschland 19,8 Millionen Menschen der katholischen und 18 Millionen einer evangelischen Kirche an, zusammen rund 45 Prozent der Bevölkerung. Seit 2021 ist das weniger als die Hälfte. Muslime sind nach einer Hochrechnung von 2020 mit 5,3 bis 5,6 Millionen die zweitgrößte Gruppe, die meisten mit Familien aus der Türkei, aus Südosteuropa und dem Nahen Osten. Die jüdischen Gemeinden zählen knapp 90.000 Mitglieder.

Buddhisten und Hindus sind kleine Gruppen. Zu den Buddhisten gehören viele Familien aus Vietnam und Thailand und Deutsche, die sich dem Buddhismus zugewandt haben. Viele Hindus stammen aus Indien oder sind Tamilen aus Sri Lanka. Sie haben in Hamm-Uentrop einen großen Tempel im südindischen Stil gebaut, zu dessen Tempelfest jedes Jahr Tausende kommen.

Die Weltreligionen im Unterricht

In der Grundschule geht es um die Religionen, die Kinder in ihrer Klasse und ihrer Stadt antreffen: Gotteshäuser, Feste und Zeichen. In der Sek I kommt der Vergleich dazu, meist in Klasse 7 bis 9, oft auch im Fach Ethik. Dann fragen Schüler nach Gott, Schriften und dem Leben nach dem Tod.

Eine Frage trägt durch beide Stufen: Was verbindet die Religionen, und worin unterscheiden sie sich?

  • Gotteshäuser in unserer Stadt

    Grundschule: Fotos von Kirche, Moschee und, wenn es sie gibt, Synagoge oder Tempel aus dem Schulort. Die Kinder beschreiben Turm, Minarett und Kuppel und ordnen die Zeichen zu. Ein Besuch macht das anschaulich.

  • Ein Festkalender für die Klasse

    Grundschule: Die Kinder tragen die Feste der Religionen in der Klasse in einen Jahreskalender ein. Wer möchte, erzählt, wie die eigene Familie feiert.

  • Die Tabelle wächst

    Ab Klasse 5: Die Klasse füllt die Vergleichstabelle Zeile für Zeile, erst mit Vermutungen, dann mit der Lösung. Am Ende markiert jeder, was in mehreren Religionen gleich ist.

  • Fünf Fassungen einer Regel

    Ab Klasse 7: Die Schüler ordnen die fünf Fassungen der Goldenen Regel den Religionen zu, vergleichen sie zu zweit und schreiben eine eigene Fassung für die Klasse.

In der Oberstufe lohnt der Blick auf die Festkalender: Wie teilen die Religionen das Jahr ein, und was feiern sie im Herbst, im Winter, im Frühling?

Worauf du achten solltest

  • Vielfalt innerhalb der Religionen zeigen. Katholiken, Orthodoxe und Evangelische glauben nicht dasselbe, Sunniten und Schiiten auch nicht, und der Buddhismus in Thailand sieht anders aus als in Japan. Nach dem Vergleich fragt die Klasse am besten, wo die Tabelle zu glatt ist.
  • Die Kategorien passen nicht überall. Fragen wie „Wer ist der Gründer?“ und „Wer ist Gott?“ stammen aus dem Blick auf Christentum und Islam. Der Hinduismus hat keinen Gründer, der Buddhismus keinen Schöpfergott. Frag die Klasse, warum in diesen Feldern etwas anderes steht.
  • Der Halbmond steht nicht im Koran. Er wurde im Osmanischen Reich zum Zeichen und steht heute auf vielen Moscheen und Flaggen. Manche Muslime lehnen ihn als Zeichen ihres Glaubens ab. Mohammed wird im Islam meist nicht abgebildet. Unterrichtsmaterial zeigt ihn deshalb nicht.
  • Schüler nicht als Vertreter vorführen. Ein muslimisches oder buddhistisches Kind kennt vor allem, wie seine eigene Familie glaubt und feiert. Ob es davon erzählt, entscheidet es selbst.

Unterrichtsmaterial zu den Weltreligionen

4 Materialien für den Unterricht, als PDF bei eduki. Die beliebtesten stehen vorn.

Häufige Fragen

Kurze Antworten zu den fünf Weltreligionen.

Welche sind die fünf Weltreligionen?

Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus. Die ersten drei glauben an einen Gott und berufen sich auf Abraham, die beiden anderen stammen aus Indien und lehren die Wiedergeburt.

Welche Weltreligion ist die größte?

Das Christentum mit rund 2,3 Milliarden Angehörigen, gefolgt vom Islam mit rund 2 Milliarden. Der Islam wächst schneller, vor allem weil Muslime im Durchschnitt jünger sind und mehr Kinder haben.

Welche Weltreligion ist die älteste?

Als älteste gilt meist der Hinduismus. Seine ältesten Texte, die Veden, entstanden ab etwa 1500 v. Chr. Das Judentum ist die älteste der drei Religionen, die sich auf Abraham berufen.

Was haben die Weltreligionen gemeinsam?

Alle fünf kennen die Goldene Regel: Behandle andere so, wie du behandelt werden willst. Alle haben heilige Schriften, Orte des Gebets und Feste, die das Jahr gliedern, und alle fragen, was nach dem Tod kommt.

Warum zählt das Judentum zu den Weltreligionen?

Mit rund 15 Millionen Angehörigen ist es die kleinste der fünf. Christentum und Islam sind aus ihm hervorgegangen und übernehmen seinen Glauben an einen einzigen Gott, die Gebote und viele seiner Schriften.

In welcher Klasse kommen die Weltreligionen dran?

In der Grundschule mit Festen und Gotteshäusern, in der Sek I meist in Klasse 7 bis 9 als Vergleich, in Religion und in Ethik. Die Lehrpläne der Länder legen die Klasse unterschiedlich fest.